Eine Replik auf Miriam Scharlibbes Kommentar „Gewonnen hat die Wut“ im Mannheimer Morgen – und auf ein Demokratieverständnis, das dringend Widerspruch verdient.
„Gewonnen hat die Wut“ – schon die Überschrift zeigt das Problem. Wer AfD wählt, kann offenbar kein mündiger Bürger mit politischen Gründen sein. Er muss wütend, ängstlich oder für „einfache Wahrheiten anfällig“ sein. Genau diese herablassende Haltung treibt immer mehr Menschen zur AfD.
Dass ausgerechnet der Mannheimer Morgen solche Kommentare veröffentlicht, überrascht inzwischen allerdings kaum noch. Das Blatt vermittelt zunehmend den Eindruck, vom journalistischen Beobachter zum Anti-AfD-Kampfblatt zu mutieren. Kritische Distanz sieht anders aus.
Dazu passt, dass der Mannheimer Morgen erst vor wenigen Tagen unter der Überschrift „Nah an der NSDAP“ der SPD-Stadträtin und Sprachwissenschaftlerin Heidrun Deborah Kämper breiten Raum für ihre These gab, die heutige AfD stehe sprachlich der früheren NSDAP nahe. Kämper fordert dort sogar ein Verbot der gesamten Partei. Man gewinnt langsam den Eindruck, dass hier Erkenntnisse vermarktet werden sollen wie die Brötchen von vorletzter Woche: immer wieder aufgewärmt, nur frischer werden sie dadurch nicht.
Viele Bürger haben genug von einer linken, pseudotoleranten Minderheit, die Vielfalt predigt, Andersdenkende aber ausgrenzt und den Menschen inzwischen sogar vorschreiben möchte, wie sie zu sprechen haben. Wer sich diesem Weltbild nicht unterordnet, wird moralisch abgeurteilt. Vielleicht sollte man irgendwann zur Kenntnis nehmen, dass Toleranz, die nur für die eigene Meinung gilt, keine Toleranz ist.
Und dann die beschworene Angst vor der AfD. Wovor eigentlich? Was soll sie denn noch kaputt machen, was nicht längst gewaltige Schäden aufweist? Eine schwächelnde Wirtschaft, ein enormer Sanierungsstau bei der Infrastruktur, Probleme bei Bahn und Brücken und ein Bildungssystem, dessen Defizite seit Jahren immer eklatanter werden. Die AfD müsste sich verdammt anstrengen, um das noch wesentlich schlechter hinzubekommen.
Geradezu grotesk wird es bei der Rechnerei mit angeblichen „Mehrheiten gegen die AfD“. Die CDU erhielt 17,2 Prozent, die SPD 9,3 Prozent und die Linke 8,6 Prozent. Mit derselben Logik haben also 82,8 Prozent nicht CDU, 90,7 Prozent nicht SPD und 91,4 Prozent nicht Linke gewählt. Soll man daraus ernsthaft schließen, diese Parteien hätten keinen politischen Auftrag mehr? Natürlich nicht. Also sollte man solche hanebüchenen Zahlenspiele auch bei der AfD lassen. Demokratie besteht nicht darin, Wahlergebnisse so lange zusammenzurechnen, bis einem das Ergebnis wieder gefällt.
Und die bequeme Geschichte vom frustrierten Osten funktioniert ohnehin nicht mehr. Die AfD gewinnt längst auch im Westen erheblich an Zustimmung. Vielleicht wählen die Menschen sie eben nicht aus Angst, Wut oder mangelndem Demokratieverständnis. Vielleicht wissen sie sehr genau, was sie tun. Vielleicht haben sie einfach genug von unkontrollierter Migration, wirtschaftlichem Niedergang, Bevormundung, Sprachvorschriften und einer Politik, die ihre Kritik jahrelang nicht ernst genommen und sie dafür sogar als rassistisch verteufelt hat.
Nicht die Wut hat gewonnen. Verloren hat die politische und mediale Überheblichkeit.
AfD-Fraktion im Gemeinderat Mannheim